Mit der erfolgreich bestandenen Matura hat man einen ersten großen Abschnitt seines Lebens abgeschlossen und muss sich einigen wichtigen Fragen stellen:

Wer bin ich? Was will ich? Wo will ich hin? Was soll ich mit meinem Leben machen?

Antworten auf diese Fragen zu finden, ist nicht so leicht wie man glaubt und bescherten mir persönlich einige schlaflose Nächte. Obwohl dies bereits ein paar Jahre her ist, kann ich mich noch bestens an dieses Gefühl der Ungewissheit erinnern.

Ich war mir im Grunde nur bei einem sicher:

Nichts wie weg und die weite Welt erkunden!

Wohin war mir nicht wirklich wichtig, wichtig war mir nur, dass es so weit wie möglich von zu Hause entfernt war. Ich recherchierte im Internet und fand einige Anbieter, die Freiwilligenprojekte im Ausland anboten. Schlussendlich entschied ich mich für die Mitarbeit in einem Naturreservat in Kapstadt (Zeekoevlei Ecology Park), vermittelt von TravelWorks. Damit ich mir die vier Monate Süd Afrika leisten konnte, arbeitete ich den gesamten Winter als Skilehrer und zählte die Tage bis zu meinem Abflug im Frühling.

Nur mit meinem Gepäck und einem Blatt Papier mit den wichtigsten Daten aber ohne jegliche Ahnung, geschweige denn Vorbereitung, stieg ich in München in das Flugzeug nach Kapstadt ein. Nach 12 Stunden anstrengendem Flug und steigender Nervosität, kam ich um Mitternacht am Flughafen in Kapstadt an. Im chaotischen Getummel am Terminal war ich komplett überfordert, da ich dachte abgeholt zu werden aber niemand mit einem Schild, auf dem mein Name steht, anwesend war.  Ich sah zwei weitere junge Leute mit dem selben verwirrten und überforderten Blick, sprach sie an und es stellte sich heraus, dass wir mit dem selben Veranstalter hier waren. Nach gut einer Stunde kam unser Fahrer, der uns sogleich über eine der Besonderheiten Afrikas aufklärte: die AFRICAN TIME – oder deutsch ausgedrückt: in Afrika drehen sich die Uhren anders.

Zu später Stunde kam ich nun endlich in der Ashanti Lodge in einem Stockbett zum Schlaf. Zwar etwas müde aber voller Tatendrang wachte ich am nächsten Morgen auf und war bereit Kapstadt zu erkunden. Also bestellte ich mir ein Taxi und bat den Fahrer, mich an den schönsten Strand Kapstadts zu fahren.

Das Taxi fuhr über einen Berg und setzte mich dann in der wunderschönen Bucht Camps Bay ab. Dort verbrachte ich einen wunderschönen Tag und dachte mir:

ENDLICH ANGEKOMMEN!

Die erste Woche

Mit einem schmerzhaften Sonnenbrand, trotz 50er Sonnencreme, kehrte ich am späten Nachmittag in die Ashanti Lodge zurück und traf dort die anderen TravelWorks Reisenden. Wir stellten uns gegenseitig vor und wurden über das Programm für die nächste Woche informiert. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste war, dass mich mit ein paar dieser Leute bis heute (7 Jahre später) eine außergewöhnliche Freundschaft verbinden wird.

Mit dieser zehnköpfigen Truppe von offenen und aufgeschlossenen Jungs und Mädels unterschiedlichster Nationalität, erkundeten wir mit einem einheimischen Guide die Stadt, ihre Sehenswürdigkeiten und die Umgebung. Im Laufe der Tage besuchten wir unter anderem Robben Island, das Kap der guten Hoffnung, Hout Bay, Lions Head und mehrere Museen in der Stadt. Langeweile kam dabei nie auf, weil der Guide wirklich spitze war und in der Gruppe der Spaß niemals zu kurz kam. Am Abend machten wir noch gemeinsam die gesamte Long Street – DAS Party-Zentrum Kapstadts – unsicher.

Robert + Brenda

Nach dieser aufregenden aber auch informativen Woche begann meine Zeit beim Zeekoevlei Ecology Park und meinen wunderbaren Gasteltern Robert und Brenda. Ich wohnte im Stadtteil Grassy Park in Roberts einstöckigem Haus, das durchaus gut und irgendwie fast amerikanisch eingerichtet war. Robert war Tischler und seine Ehefrau Brenda Hausfrau, die sich liebevoll um Roberts demente Mutter kümmerten. Sie waren eine außerordentlich freundliche und gut in die Community integrierte Mittelschicht-Familie. Ich fühlte mich sofort bestens aufgenommen und bald wie ihr Sohn. Robert zeigte mir die gesamte Umgebung Kapstadts und seine Top-Spots.

Mein Arbeitsplatz

Meine Arbeit beim Zeekoevlei Environmental Education Programme (ZEEP) gestaltete sich außerordentlich interessant und lustig. Wir betreuten ein bis zweimal die Woche Schulklassen und zeigten/erklärten ihnen die Natur Kapstadts auf spielerische Art und Weise. Dabei wanderten wir durch das Zeekoevlei Naturreservat und übernachteten dort auch ab und zu. Wenn wir am Wochenende nicht ins Zentrum Kapstadts zum Feiern fuhren, dann veranstalteten wir Parties direkt vor Ort und genossen eine einfach perfekte Zeit!

Was es mir brachte?

Eines ist klar: ich werde meine Zeit und die wunderbaren Erfahrungen in Süd Afrika niemals vergessen! Neben den schönen Landschaften, Buchten und Städten lernte ich auch jede Menge interessante und unterschiedliche Leute kennen. Auch richtige Freunde fürs Leben habe ich gefunden, mit denen ich mich bereits einige Male seit meinem Süd Afrika Aufenthalt getroffen habe.

Mein bis dahin vorherrschendes Stereotyp über Afrika und seine Leute hat sich während dieser Reise vollkommen geändert. Ich war erstaunt über die Freude und Offenheit mit der die Einheimischen ihr Leben angehen und auf Fremde wie mich zugehen.

Das Wichtigste für mich ist allerdings die in dieser Zeit empfundene Freiheit und Freude am Unbekannten. Der Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen mit den unterschiedlichsten Einstellungen und das Leben in einer komplett anderen Kultur, haben mich reifen lassen und förderten meine Selbständigkeit. Außerdem wurde mir bewusst, was für mich im Leben wichtig ist und was ich machen möchte. Ein angenehmer Nebeneffekt war die maßgebliche Verbesserung meiner Englischkenntnisse.

In diesem Sinne, kann ich jedem/-r eine solche Reise nur empfehlen und ans Herz legen. Du wirst es nicht bereuen!

 

Wo möchtest du als nächstes hin? Hast du etwas ähnliches bereits gemacht?

 

Über den Autor

Freeriden, Reisen und die Natur erkunden - meine Leidenschaft!

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